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Einzigartiger Werkstattbereich: Buch-Shop „Lese-Lotte“ feiert 10. Geburtstag

Konzentriert dreht ein Werkstattbeschäftigter das Buch hin und her, um Hardcover und Rücken auf Schäden und angestoßene Ecken zu prüfen. Dann blättert er behutsam Seite für Seite um, streicht hier und da ein Eselsohr glatt oder radiert feinste Schmutzablagerungen weg. Außerdem wiegt er das Buch, misst es aus und gleicht es mit den Angaben im System ab. Das ist wichtig, um den Mindestverkaufspreis anhand der Versandkosten zu bestimmen. Im Anschluss landet das Buch in einem der großen Lagerregale des Buchshops „Lese-Lotte“ – einem einzigartigen Arbeitsbereich der Matthias-Claudius-Haus-Stiftung in Oschersleben. In diesem Monat feiert der im Werkstattstandort „Am Pfefferbach“ beheimatete Online-Buch-Shop seinen 10. Geburtstag. Am 30. Mai 2016 ist er beim Versandhändler Amazon an den Start gegangen. In Sachsen-Anhalt hatte sich zuvor keine andere Werkstatt an den Wiederverkauf gebrauchter Literatur und anderer Medien herangewagt. Der Buch-Shop ist in der Stiftung der einzige EDV-gestützte Arbeitsbereich.

Werkstattleiterin Steffi Herbst erklärt: „Die Lese-Lotte vereint sehr komplexe Arbeitsschritte wie das Einlesen der Bücher per Scanner mit einfachen Tätigkeiten wie das Bekleben der Versandtüten mit Adressetiketten.“ Was vor zehn Jahren mit vier Beschäftigten und zwei PC-Arbeitsplätzen begann, ist inzwischen auf sieben Beschäftigte und fünf PC-Arbeitsplätze angewachsen. Dem Start auf amazon.de ging eine mehrmonatige Einarbeitung durch einen Franchisegeber voraus, von dem die Stiftung auch die Software gekauft hat. „Die Grundlage unserer Arbeit sind Buch-Spenden“, sagt Teamleiterin Andrea Senft. „Ganz wichtig ist, dass die Bücher wiederverkaufbar sind, also ohne große Schäden, Stockflecken oder Schimmel.“ Die Software ordnet die Bücher nach dem Scannen anhand eines Ampelsystems ein. Anschließend werden sie geputzt, geprüft und die Produktbeschreibung auf Richtigkeit kontrolliert. Bei grüner Ampel kommen die Bücher in den Online-Verkauf, alle anderen werden auf Märkten und am Werkstattstandort für kleines Geld angeboten. Was gar nicht verwertet werden kann, wird ordnungsgemäß entsorgt.  

Das Team des Buch-Shops besteht aus Menschen mit psychischen und körperlichen Beeinträchtigungen. Ihr Arbeitsauftrag ist gleichbleibend anspruchsvoll und das Arbeitsumfeld ruhig. Seit Bestehen der „Lese-Lotte“ haben sie rund eine Million Bücher vorsortiert. Das erste Buch „Die Traumtänzerin“ wurde am 8. März 2016 ins System eingelesen; bisher wurden gut 42.000 Bücher über Amazon verkauft. Wer Bücher spenden möchte, kann das auf verschiedenen Wegen tun. „Hier bei uns am Standort gibt es unter einem Carport eine große Spendenbox, die zu den Öffnungszeiten gern bestückt werden kann“, erklärt Andrea Senft. „Kleine, blaue Spendenboxen stehen außerdem in Kindergärten oder zum Beispiel in der Bibliothek in Hadmersleben bereit.“ Handelt es sich um eine sehr große Buchspende, wird sie nach Absprache auch gern im näheren Umkreis abgeholt. Hierzu gibt es unter www.claudiushaus.de unter „Wir für Sie“ detaillierte Informationen sowie einen direkten Kontakt. 

Schaufenster des Buch-Shops Lese-Lotte bei Amazon

13.05.2026